Kapitel 24: Eine schicksalhafte Entscheidung


 

Die Zeit verging, Jenna verhielt sich recht unauffällig und auf die Frage wo der Vater des Kindes wäre das sie erwarten würde, erklärte sie das er tot sei. Doch eines Tages war es dann soweit. Sie bekam ihr Baby alleine zu Hause, sie befürchtete das man sonst eventuell merken würde, das dies kein gewöhnliches Kind wäre. Obwohl ihr klar war das es doch irgendwann mal auffallen würde. Denn Suna, so hatte sie die kleine Göttin genannt, würde wohl schneller heran wachsen als normale Kinder. Ab und zu, wenn es ihr erlaubt wurde, sah auch ihre Mutter mal bei ihr herein.

(der Name Suna ist von Liebelein, einer lieben Freundin)

Und an einem dieser Tage oder man sollte besser sagen Abende, stand Jenna wieder mal am Fenster und sah in den Sternenhimmel zu ihrem Bruder hinauf. Sie spürte das ihre Mutter hinter ihr stand. „Kann man denn gar nichts für ihn tun? Sicher er tat mir Gewalt an, doch wenn ich Suna sehe, dann vergesse ich was er mir antat. Es muss doch eine Lösung geben. Irgendwas.“ Mystra strich ihrer Tochter sanft über das Haar. „Du hast ihm also vergeben? Und ist das wirklich dein Wunsch das auch die Geister ihm vergeben mögen? Denn es gäbe eine Möglichkeit, doch würde ihn das nicht mehr in einen menschlichen Körper stecken, denn die Urmutter will nicht das er so etwas noch mal tut. Zudem ward ihr nie geboren worden um ewig zu leben.“ Jenna seufzte schwer, dann nickte sie. „Ja ich habe ihm vergeben und wenn es eine Möglichkeit gibt, so soll man ihn anders strafen, denn das ist doch …......nun ja.“ Mystra nickte. „Doch wenn ich das in die Wege leite..... du müsstest auf gewisse weise sein Schicksal teilen, bist du dazu bereit?“ Jenna drehte sich zu ihrer Mutter um und sah sie an. „Mutter was bliebe mir denn noch? Sind wir doch mal realistisch. Ich werde Suna aufziehen, was wohl schneller geht als bei einem normalen Kind. Selbst Dion und ich sind schon schneller gewachsen als normale Kinder und bei Suna wäre es noch mal schneller. In wenigen Wochen könnte sie schon zur Erwachsenen werden und was ist dann? Was soll ich noch hier? Eine Familie gründen? Wie eine normal Sterbliche, nein das könnte ich nicht. Nie wieder soll mich ein Mann anrühren können, nie wieder. Und ansonsten? Ich würde also hier leben bis ich alt und grau werde, bis ich meinen letzten Atemzug tue, was dann? Nein Mutter das will ich nicht. Gebt mir eine Aufgabe, gebt mir etwas das ich tun kann, das ich bewirken kann. Und wenn ich sein Schicksal teilen muss, so soll es so sein. Ich habe ihn immer geliebt, ich wollte nur nicht mit ihm ins Bett gehen. Weil erstens konnte ich das nicht, weil er mein Bruder ist und zum anderen, ich habe doch gesehen was er mit den Mädchen oder Frauen gemacht hat. Er hat sie teilweise sogar gebrochen.“ Ihre Mutter sah sie an und verstand. „Also gut ich werde meiner Schöpferin sagen, was du möchtest, doch sei dir im klaren darüber das du ihr Urteil dann an nehmen musst, egal wie es ausfällt. Und noch etwas, es liegt auch an der Frau, wie ein Mann mit ihr umgeht. Deinen Vater kann ich auch leiten und er ist nicht weniger grausam als Dion, bei ihm fällt es nur nicht mehr so auf, weil ich ihn zurück halte, mit einem Versprechen. Dion war, wie dein Vater ist, lüstern, Trieb gesteuert und immer nur das eine im Kopf. Doch gerade dann sind sie lenkbar, denn sie beherrscht das was sie zwischen ihren Beinen haben, versprich ihnen, zu geben was sie haben wollen und du siehst auch dein Vater kann zahm sein.“ Jenna schüttelte den Kopf. „Mutter du magst es ja können, doch ich kann es nicht, für mich ist das nicht normal mit seinem Bruder ins Bett zu gehen, vor allem wenn er so ein Tier ist. Dir macht es vielleicht nichts aus, das Vater ebenso ist, du kannst damit umgehen. Und in einem hatte Dion recht, ich habe auch gehört wie wild ihr es getrieben habt, doch ich besitze diese wilde Natur nicht. Wäre Dion vielleicht sanfter gewesen, liebevoller hätte ich eventuell darüber hin weg sehen können das er mein Bruder ist und hätte es zumindest zugelassen, damit Suna gezeugt werden könnte. Aber er war nie in der Lage Zärtlichkeit zu geben. Mir war immer klar wie es geschehen würde, vielleicht konnte ich ihm deshalb verzeihen, denn ich weiß er konnte nicht anders. Er wollte mich und er bekam mich. Und wie war ihm egal, er ging über Leichen wenn es sein musste um zu bekommen was er wollte. So rede mit der Urmutter und ich bin bereit, sobald Suna mich nicht mehr braucht ihrem Urteil zu folgen. Egal wie es aussieht.“ Mystra nickte, küsste ihre Tochter noch mal auf die Stirn und verschwand. Jenna drehte sich herum und sah wieder zum Sternenhimmel, leise flüsterte sie hinauf. „Mehr kann ich für dich nicht tun.“


 

Abermals vergingen die Tage und aus dem Baby wurde ein Kleinkind, wie Jenna es vorausgesehen hatte wuchs Suna schneller als normale Kinder.

Und ihre Mutter sprach mit ihrer Schöpferin und diese nickte nur und fällte das Urteil über Dion und Jenna. Wenige Tage später sollte Jenna erfahren wie ihre Zukunft und die ihres Bruders aussehen würde.

Kapitel 25: Schwert und Buch


Es war etwa drei Wochen später, Suna alterte abermals und freute sich endlich ein Kind zu sein. Sie verstand mehr als andere Kinder, hatte eine schnelle Auffassungsgabe und hatte auch recht schnell mit bekommen, wie sie entstanden war. Allerdings wurde nun auch deutlich, das sie nicht nur die sanfte Natur ihrer Mutter mitbekommen hatte, sondern auch einige Persönlichkeitsmerkmale ihres Vaters. Wenn auch nicht in diesem extremen Maße. Dennoch neigte sie ab und an mal zu Wutausbrüchen, wenn nicht alles so lief wie sie es wollte. Jenna machte ihr dann klar das sich so etwas nicht für eine Göttin gehört, das sie sich gefälligst zusammen reißen solle. Jenna gab ihr alle Liebe die sie hatte, doch das reichte scheinbar nicht. Sie wurde nicht mehr mit diesem Kind fertig. Jetzt sah man erst das Jenna damit weit überfordert war. Obwohl auch Mystra hier und da mal eingriff, entwickelte sich das Kind zu einem wahren Tyrannen aus.

Abermals sah man die Urmutter auf und ab schreiten und man konnte sehen das sie ein sorgenvolles Gesicht machte. Ying trat auf sie zu. „ Was ist los Mutter?“ Sie deutete nur wortlos zur Erde auf der Suna noch lebte. „Sieh es dir doch selber an. Was dem Kind fehlt ist ein Vater, der es auch mal übers Knie legt. Sie sollte eine Göttin werden, mit Verantwortungsbewusstsein, auch ein wenig Skrupelosigkeit, wie auch Liebe im Herzen, schließlich würden die Menschen über denen sie als Göttin schweben würde von ihr in gewisser weise abhängig sein. Doch das da ist alles andere als das was ich erwartet hatte.“ Auch Yang trat hinzu und sah was sie meinte. Er nickte. „Nun vielleicht sollte ich ihr mal Dorian schicken, er ist skrupellos genug das Kind auch mal zu züchtigen.“ Die Urmutter sah ihn durchdringend an. „Ja klar und nebenbei kann er sich mal eben an seiner Tochter vergehen, ja ne ist klar. Vergiss es. Du glaubst doch nicht das ich deinem Avatar diesbezüglich auch nur eine Sekunde traue oder? Er mag vielleicht nicht gar so schlimm sein wie Dion, doch auch er hat nur das eine im Kopf. Und wenn Mystra nicht in der Nähe ist, traue ich ihm alles zu.“ Yang nickte leicht: „Du hast ja recht, doch würde er sich niemals an seiner Tochter vergehen.“ Die Urmutter winkte ab. „Vergiss es, ich weiß zwar nicht was für eine Boshaftigkeit du nun wieder ausgeheckt hast, aber das es nicht dazu kommt, dafür werde ich sorgen.“ Natürlich hatte Yang einen Hintergedanken gehabt, doch die Urmutter hatte ihn mal wieder durchschaut. Und so verzog er sich beleidigt. Ying hatte dem ganzen zugehört. “Doch hast du eine bessere Idee? Andra ist da zu schwach, er würde das Kind nur noch mehr verziehen, da bin ich mir sicher.“ Dann blieb die Urmutter stehen: “Nun vielleicht sollte sie jetzt schon mal sehen in wessen Diensten sie steht und das sich das Universum nicht nur um sie dreht. Dabei könnte ich auch gleich Jenna sagen was auf sie zukommt und welche Pläne ich für sie und Dion gemacht habe.

Bevor Ying auch nur antworten konnte war die Urmutter auch schon verschwunden und tauchte kurz darauf bei Jenna und Suna auf, die wieder mal einen ihrer Wutausbrüche austobte. Ruhig sah sie Suna an: „Bevor du nun auch nur noch einen Ton von dir gibst, sage ich dir gleich, ich bin nicht deine Großmutter auch wenn ich wie sie aussehe. Ich bin die, in dessen Dienste du treten wirst wenn du alt genug bist. Und das Verhalten das du hier an den Tag legst ist einer Göttin unangemessen. Und solltest du das nicht ändern, überlege ich mir noch ob ich ein so verzogenes Gör überhaupt in meinen Diensten will. Nehme dir alle Kräfte und lasse dich hier als Sterbliche verrotten, und glaube mir ich kann es. Deine Mutter ist gütig und liebevoll zu dir, um so schlimmer ist es das du dich so ihr gegenüber verhältst.“ Nun Suna war nicht dumm und sie wusste was mit ihrem Vater geschehen war, ihr war klar, dem höchsten Wesen im Universum hatte sie nichts entgegen zu bringen und so wurde sie auf einmal sehr klein. Die Urmutter sah Jenna an: “Wie weit ist sie?“ Jenna sah zu Suna hin: „Nun bis auf ihre Wutausbrüche die sie scheinbar nicht in den Griff bekommt, hat sie ihre Fähigkeiten fast voll erlangt. Ich kann ihr nichts mehr beibringen. Sie ist intelligent, weiß was sie will und hat ein sehr großes Machtpotenzial.“ Die Urmutter nickte. „Meinst du man könnte sie schon auf die Menschheit loslassen? Vorausgesetzt das sie erwachsen wäre.“ Jenna wiegte den Kopf hin und her. „Ihre Wutausbrüche stehen ihr im Weg, doch ansonsten ja könnte man.“ Die Urmutter sah nun auch Suna wieder durchdringend an. „Du hast es gehört, deine Mutter ist der Meinung man könnte dich auf die Menschheit loslassen. Bist du sicher das du deine Wutausbrüche in den Griff bekommen wirst? Denn wenn nicht werden wir beide noch mal gewaltig an einander geraten.“ Suna sah die Urmutter ängstlich an: „Werde ich dann auch zu Sternen?“ „Du? Nein.....dich werde ich zu einer Sterblichen machen, und dir all das antun was du ihnen angetan hast. Das ist viel schlimmer als zu Sternen zu werden.“ Suna nickte heftig: „Ich werde es versuchen, ich verspreche es.“ Die Urmutter nickte, wenn sie auch das verhalten des Kindes amüsierte, so zeigte sie es ihm nicht. Sie wusste genau, dann würde die kleine Oberwasser bekommen und würde sich nie ändern. Und bevor Suna oder auch Jenna reagieren konnten, wurde innerhalb weniger Minuten aus dem Kind ein Teenager und kurz darauf war sie erwachsen. Suna sah an sich entlang. Mit ihrer körperlichen Veränderung kam auch auf einmal das Wissen, die Urmutter hatte an alles gedacht. Und so begriff Suna was mit ihr geschehen würde, würde sie ihr verhalten das sie als Kind hatte nicht ändern und sie begriff auf einmal, das ihr kindisches verhalten einer Göttin wirklich nicht würdig war. Und schämte sich dessen auf einmal. Die Urmutter sah Suna an: „Und nun verabschiede dich von deiner Mutter und geh, nimm deinen Platz am Himmel ein, wie es vorbestimmt war. Und denke immer an meine Worte.“ Auch Jenna stand daneben und begriff nur langsam, das die Zeit auf dieser Welt für Suna nun ein Ende hatte und ebenso auch für sie. Dann blickte sie auf, umarmte noch mal liebevoll ihre Tochter, doch diese hatte sich bereits von ihrer Mutter geistig gelöst. Sie war nun kein Kind mehr, sie war die „Eine“ und alles an ihr strahlte das auch aus. Dann wurde sie unsichtbar und am Himmel erschien ein sehr leuchtender Stern. Die Menschen auf dieser Welt machten einen Gedankensprung und wussten was dieser Stern war. Sie wussten, das war ihre Göttin. Man würde für Suna, Tempel bauen, sie anbeten und verehren. Und Suna würde gütig sein als auch böse wenn es entsprechend angebracht war. Doch ihre Wutausbrüche gehörten der Vergangenheit an.

Dann wendete sich die Urmutter Jenna zu. „Nun zu dir, deine Mutter hat mir gesagt, du habest deinem Bruder verziehen. Doch muss dir auch klar sein, das wenn ich deinem Wunsch nach komme und ihn von seinem Sternendasein erlöse, ich ihn nicht wieder unkontrolliert auf die Menschheit loslasse. Und bevor du nun davor Angst bekommst das ich dich zu seinem Hüter machen würde, so wird es nicht sein. Nein ich habe etwas anderes mit euch vor.“ Vor Jenna auf dem Tisch erschien ein gewaltiges Schwert, fein gearbeitet und unzerstörbar. Dahinter lag ein riesiges Buch. Das was du hier siehst, wird das Schwert des Schicksals werden, doch benötigt es eine Persönlichkeit, und diese muss kalt genug sein auch töten zu können, ebenso machtvoll und intelligent. Das Buch dort ebenso, doch sollte es die Weisheit beinhalten und seiner Besitzerin zeigen was passieren wird. Sie auf gewisse Dinge aufmerksam machen. Jenna sah die Urmutter an. „Was hat das zu bedeuten?“ Die Urmutter sah sie sanft an. „Nun ich werde deinen Bruder in das Schwert setzen, es wird seine Persönlichkeit tragen. Und dich in das Buch. So kannst du und auch er doch noch am Zeitgeschehen teilhaben, ihr könnt etwas bewirken. So war doch dein Wunsch.“ Jenna sah sie an: „Ohne jemals Hoffnung auf Erlösung zu haben?“ „Nun auch daran habe ich gedacht“ erwiderte die Urmutter. „Denn es war nicht Dions Schuld alleine das es so kam wie es kam, wärst du einmal meiner Bestimmung gefolgt, hätte er keine Gewalt anwenden müssen. So soll eure Erlösung sein, wenn er beginnt sich liebevoll um dich zu bemühen, wenn er lernt das man mit Liebe und Zärtlichkeit wesentlich eher etwas erreicht als mit Gewalt. Und wenn du ihn doch einmal erhören solltest. In dem Moment wo ihr euch findet, sollen eure Dienste im Schwert und Buch enden. Ihr werdet jedes Jahr, einige Stunden Zeit haben, euren Körper zurück bekommen und die Möglichkeit haben euch selbst erlösen zu können. Doch geschieht das nicht, werdet ihr solange gefangen sein in eurem Schicksal.

Und so geschah es. Dion wurde die Persönlichkeit des Schwertes und Jenna zur Wissenden im Buch. Ob sie je erlöst werden würden, nun das ist eine andere Geschichte.