Kapitel 5: Das wahre Gesicht des Finsteren


 

Die vier waren nun schon einige gefühlte Tage hier und trainierten hart, so langsam aber sicher kamen bei den Männern die alten Kräfte zum Vorschein. Auch Amanda wurde immer besser. Sie spürte auf einmal Kräfte in sich die sie nie vermutet hatte. Doch etwas knabberte an ihr, das Kind war nicht mehr da, ihre Fragen hatte sie alle gestellt. Und doch gab es noch eine Frage die sie beantwortet wissen wollte. Und dann kam der Tag an dem ihr die Erleuchtung kam. Vielleicht konnte ihr die Kugel nicht nur die Zukunft oder Gegenwart zeigen sondern auch die Vergangenheit.

Und so saß sie eines Tages in ihrem Magieraum auf dem Boden und hielt die Kugel in ihren Händen: „Zeig mir das wahre Gesicht meines Erzeugers.“ Was sie nun zu sehen bekam würde sie wohl ihr Lebtag nicht mehr vergessen. Die Kugel zeigte ihr eine gesunde Welt. Sie sah einen Gott der die Welt betrat und sich eine junge Frau nahm die freiwillig bereit war mit ihm das Bett zu teilen. Der junge Gott sah sehr gut aus und sie hörte wie er ihr sagte das er nur dieses eine Mal mit ihr zusammen sein, nur diese eine Nacht mit ihr haben und sie ihn dann nie wieder sehen würde. Dennoch war sie dazu bereit. Und als die Nacht vorbei und der junge Gott wieder fort war, merkte sie nach einiger Zeit das sie empfangen hatte. Die Monate vergingen und sie brachte Zwillinge zur Welt, doch schon bei der Geburt spürte sie das mit den beiden was nicht stimmte, während das eine Kind mehr als gütig sanft und liebevoll war und sogar leicht im Licht strahlte, verbreitete das andere Dunkelheit. Die Kinder wuchsen heran und immer deutlicher wurde, wie unterschiedlich die beiden Kinder waren. Sie hatten göttliche Kräfte, mehr als man von Halbgöttern erwartet hatte. Und der dunkle Zwilling war grausam, er tötete, er vergewaltigte und tat alles was sein Bruder vermied. Dieser ging sogar her und versuchte wieder gut zu machen was sein Bruder angerichtet hatte. Sie wurden erwachsen und der dunkle Bruder zeugte bei seinen Vergewaltigungen auch hier und da mal das eine oder andere Kind, doch die meisten von ihnen starben, doch ein Sohn überlebte. Und dann nahm er eine ganze Welt als Geisel. Amanda dachte sich das dies wohl die Welt von Alrik sein musste. Dann sah sie wie der dunkle Bruder begann zu experimentieren und er erzeugte Dämonen die es bis dahin nicht gegeben hatte. Selbst die Toten lies er nicht ruhen und reihte diese wieder erweckt als Zombies in seine Armee ein. Dann standen sich die Brüder gegenüber, die gesamte Welt war in Finsternis getaucht, bis auf ein kleines Stück, nämlich dort wo der helle Bruder stand und mit seinem Licht verhinderte das es der ganzen Welt so gehen würde. Um ihn scharten sich die Überlebenden. Amanda merkte nicht das nun auch die drei Männer ihren Raum betreten und sich zu ihr gesetzt hatten und nun ebenfalls in die Kugel sahen und so mit bekamen was dort geschah. Dann trat eine blonde junge Frau ins Bild, begleitet von zwei Männern. Den einen erkannte Amanda als den einstigen Hüter des Schwertes, denn er trug es auf seinem Rücken. Der helle Bruder kniete vor der edlen Dame nieder und mit ihm das gesamte helle Heer. In der nächsten Szene sah man wie die edle Dame mit ihrem leuchtenden Stab in die Dunkelheit ging und wie sie sich vor ihr zurück zog. Hinter ihr gingen die beiden Männer und noch ein dritter. Diese töteten alles was sich ihr aus der Dunkelheit auch nur näherte. Dann sah man wie sie dem Finsteren Bruder gegenüber stand. Nichts menschliches war mehr an ihm. Dunkelheit wabberte um ihn und er war schlecht zu erkennen. Doch in einem unbeobachteten Augenblick, als der Finstere einen kurzen Moment abgelenkt war, sog die Lichte Kugel auf dem Stab den die junge Frau trug, ihn ein. Nun war er ein Gefangener der Kugel. Einen kurzen Moment konnte Amanda sehen wie die Welt wieder zu grünen und zu blühen begann. Die Dämonen hatten sich in die Unterwelt verzogen und die Toten wurden wieder zum Leben erweckt, doch diesmal richtig. Die Welt begann wieder zu leben.

Als nächstes sah sie wie die Seele die das Schwert bis dahin bewohnt hatte es verließ und nun erkannte sie in ihm den jungen Gott, der das ganze mit der Zeugung der beiden Kinder verursacht hatte. Dann sah sie wie die finstere Substanz, die einst der Finstere gewesen war aus der Kugel in das Schwert floss. Und ebenso sah sie wie sein Bruder in einem Buch verschwand. Dann sah sie wie der Hüne nun mit der Finsternis in dem Schwert kämpfte, wie er sie immer wieder zurück trieb. Bis er gewonnen hatte. Das nächste was sie sah, war das das Schwert in eine Kiste gelegt wurde, noch eine weile bewacht doch irgendwann mit magischen Ketten versehen in einen ebenso magisch verschlossenen Raum gesperrt wurde. Die Zeit verging, sie sah es daran das die Welt immer mal hell und dunkel wurde, es schienen Jahrhunderte zu vergehen, doch dann konnte sich der Finstere aus seinem Gefängnis befreien und verließ das Schwert, man sah wie diese zähflüssige Substanz die einst der dunkle Bruder gewesen war im Boden versickerte und auf einer Welt wieder auftauchte und dann in einen Mann kroch, seinem Sohn. Er vernichtete die Seele seines Sohnes fast in dem er sie in einen der Dämonen steckte. Dann begann er zu suchen und fand dann eine Nachfahrin der Götter und er lachte teuflisch, denn ihre Ahnenlinie war vom gleichen Gott gezeugt worden wie er. Inzwischen hatte der Finstere alles göttliche abgelegt und war selber zum Dämon geworden. Und als er nun die junge Frau auf grausamste Weise vergewaltigte, rechnete er nicht damit das sie es überleben würde, noch das sie sogar einem Kind das Leben schenken würde. Ein Kind aus der göttlichen und nun sogar aus der dämonischen Linie. Das Bild verblasste und Amanda hielt schweigend die Kugel in ihren Händen, Tränen rannen lautlos ihre Wangen herab. Noch einmal musste sie mit erleben was ihrer Mutter geschehen war. Alrik legte sanft einen Arm um sie und zog sie zu sich heran, ihren Kopf an seine Brust drückend. „Kleines weine nicht. Ich werde immer für dich da sein. Nichts und niemand wird dich von mir trennen können oder dir irgend etwas grausames antun. Was wir sahen war die Vergangenheit und wir sind hier um die Zukunft besser werden zu lassen. Sieh in die Zukunft und nicht mehr was gewesen ist.“ Auch die anderen beiden versuchten sie zu trösten, sie verstanden das es sehr grausam für sie gewesen sein musste zu sehen welch ein Ungeheuer ihr Erzeuger war und was er ihrer Mutter angetan hatte. Sie schluchzte leise: „Könnten wir nicht irgendwie meinen Bruder retten? Er ist auch nur ein Opfer. Und es muss grausam für ihn sein in der Hülle eines Dämonen.“ Alrik seufzte leise: „Ich wüsste nicht wie, denn das Ungeheuer hat sich seinen Körper geschnappt und wenn du ihn tötest, ist auch sein Körper tot.“ Nun sah Amanda auf: „Ich bin von göttlichem Geblüt und es müsste doch für mich machbar sein, den Körper wieder herzustellen wenn das Ungeheuer ihn verlassen hat. Ihr wart auch tot und seid nun hier. Es muss einfach gehen.“ Alrik sah sie an: „Ich bin gerne bereit mit dir den Weg zu gehen und du kannst es versuchen, doch unser Hauptmerk und bitte vergiss das nicht ist, dieses Ungeheuer zu vernichten und seine Seele wieder in das Gefängnis zu stecken.“ Amanda nickte, das war ihr klar doch sann sie bereits auf eine Möglichkeit ihren Bruder irgendwie zu retten, er war alles was sie an Familie noch hatte. Auch wenn er den gleichen Erzeuger hatte wie sie.

Nach dem alle soweit wieder richtig hergestellt waren und ihre Schnelligkeit oder auch Kampfkraft wieder soweit war, wurde man sich einig nun das Gewölbe zu verlassen und den Kampf gegen die Dämonen auf zu nehmen. Und so führte Amanda die drei den Gang entlang den sie bereits auf dem Hinweg einmal genommen hatte. Auch Alrik sah hier und da mal in die Särge: „Also wenn man die noch hätte wecken können, wäre das bestimmt eine schlagkräftige Armee gewesen. Doch ich nehme an das sie für eine andere Aufgabe bestimmt sein werden.“ Amanda sagte ihm, das sie das nicht wüsste. Als man dann die Lichtung betrat, war das Erstaunen groß. Denn aus einem unerfindlichen Grund hatten sich hier bereits einige Überlebende versammelt und schienen auf sie zu warten. Unter anderem auch die wenigen Freunde Amandas. Sie hatten bereits begonnen den Schutt des alten Hauses weg zu räumen um Platz für ein Lager zu schaffen. Ebenso hatte man begonnen Barrikaden zu errichten um sich zu schützen bis die Auserwählten kommen würden. Sie wurden freudig erwartet und begrüßt. Doch konnte keiner sagen warum sie her gekommen wären, jeder sagte nur das gleiche, das sie aus einem inneren Drang her gekommen waren. Alrik sah sich um und schüttelte den Kopf. Zum einen freute ihn das natürlich das seine Armee wohl schneller wuchs als er dachte, doch auf der anderen Seite sah er auch das die Lichtung bei einem Angriff der Dämonen kaum zu verteidigen war. So bat er Amanda doch mal in ihre Kugel zu sehen und zu schauen ob sie ihr nicht einen besseren Platz zeigen könnte. Amanda kam dem auch gleich nach und die Kugel zeigte ihr, das es etwas weiter im Land ein kleines Tal innerhalb eines Gebirges gab, das groß genug wäre, die wenigen Menschen, einige male auf zu nehmen. Es wäre nur durch einen schmalen Zugang betretbar und die Dämonen müssten diese Weg schon nehmen um sie zu überfallen. Alrik nickte. So packte man alles zusammen und begann die Wanderung zu diesem kleinen Tal. Als sie nach zwei Tagen dort ankamen, wunderten sie sich nicht mehr, denn auch hier hatten sich schon bereits weitere Menschen versammelt. Und Alrik sah das der Zustrom nicht abriss. Sie kamen von überall her, aus nah und fern. Amanda begann sofort das Lager zu organisieren, während die drei Männer erst mal die Bewachung des Tales übernahmen. Amanda erschuf Blockhütten, kleine als auch große, wobei sie bei den übergroßen dafür sorgte das in ihnen auch Tische, Stühle und Bänke standen, ebenso das es einen Tisch gab der immer gefüllt war mit Nahrung. Über den sich die ankommenden als erstes her machten. Amanda konnte sich nur zu gut noch daran erinnern wie ausgehungert sie selber gewesen war. Dann lies sie feste Kleidung verteilen. Und es gab eine Waffenkammer, in der nun Pfeile als auch Bögen und Schwerter lagen. Doron und Ilja begannen dann die Menschen im Umgang mit den Waffen zu schulen, während Alrik die Bewachung des Taleingangs mit einigen freiwilligen übernahm. Er rechnete damit das es nicht sehr lange dauern würde, bis die Dämonen dahinter kommen würde, das man sich hier versammelte. Immer wieder fragte er Neuankömmlinge ob sie unterwegs angegriffen worden seien, oder ob sie irgend etwas bemerkt hätten. Doch immer sah man nur wie sie den Kopf schüttelten. Alrik kam das merkwürdig vor. Er wunderte sich das man zu ließ das die Überlebenden zum Tal kommen konnten. Er ahnte es war die Ruhe vor dem Sturm.

Kapitel 6: Das Lied des Lichts


 

Und Alrik sollte recht behalten. Es war die Ruhe vor dem Sturm. Denn es vergingen kaum einige Tage, da gingen die ersten Angriffe auch schon los. Man versuchte dem Ansturm stand zu halten, scheinbar hatte der Finstere seine Kräfte erst zusammen gezogen um sie dann geballt gegen das Tal zu werfen. Es war schrecklich und es fielen viele der Flüchtlinge, doch schaffte man es dennoch. Amanda überlegte hin und her was man tun könnte um wenigstens das Tal besser zu schützen. In einem Gespräch mit Alrik, schüttelte dieser nur den Kopf: „Ich wüsste nicht wie. Um das Tal wirklich gut zu schützen, müsste die Sonne durchbrechen, doch wie du sagst hat man die seit deiner Geburt nicht mehr gesehen.“ Amanda ging auf und ab. „Wir verlieren zu viele und Kinder kommen keine nach. So geht es nicht. Der Ansturm hört nicht auf. So rottet er uns aus. Wir brauchen auch Kinder, nicht nur die Sonne, scheinbar hat sich sogar die Natur gegen uns verschworen. Wieso wird keiner schwanger? Denn wenn ich sehe wie es hier im Lager teilweise abgeht, müsste jede Frau die noch gebärfähig ist schwanger werden.“ Die beiden diskutierten noch eine weile dann sah Amanda ihn an: „Ich muss es versuchen, es muss doch eine Lösung geben, die Wolken wenigstens über unserem Tal auf zu lösen, das die Sonne durch kann. Und um Kinder werde ich mich auch kümmern. Und wenn ich auf jede Frau einen Zauber legen muss.“ Aus Amanda erklang die Verzweiflung. Immer wieder durchstöberte sie das Buch nach einem Hinweis, wie sie die Sonne wenigstens über dem Tal durchbrechen lassen konnte. Alrik sah ihre Verzweiflung, vor allem da auch er sah, wie man auch Tote zu ihnen brachte und nicht nur lebende Flüchtlinge und wie diese zugerichtet worden waren. Dann hatte Amanda eine Idee. Sie erschuf für sich eine kleine Blockhütte und hielt sich dann Tagelang darin auf, niemand konnte die Hütte betreten, es sei denn sie lies ihn ein. Alrik und die beiden anderen begannen sich Sorgen zu machen und darüber nach zu denken was sie wohl darin tat. Vor allem Alrik vermisste sie, zudem sie schon seit sie sich in dieser Hütte eingeschlossen hatte auch das Bett nicht mehr mit ihm teilte. Doch nach vier Tagen trat sie heraus und sah sich nach einigen kräftigen Männern um, die man im Moment suchen konnte, da alle recht abgemagert und verhungert aussahen. Dennoch fand sie welche und bat sie mit ihr in ihre Hütte zu kommen. Als sie dann wieder die Hütte verließen trugen sie einen recht großen Kristall und weitere Männer eine Art offene Schale mit Füßen. Diese wurde in die Mitte des Tales gestellt und in ihr der riesige Kristall eingesetzt und verankert. Dann berührte Jasmin den Kristall mit ihrem Zeichen in der Hand und flüsterte leise Worte. Anfangs zuckte immer mal nur ein leichtes Licht im Kristall auf doch dann auf einmal brach das Licht durch und strahlte aus dem Kristall in Richtung Himmel und wo das Licht die Wolken traf, verzogen sie sich. Die Sonne konnte wieder durchscheinen, und wo nun die Sonnenstrahlen auf die Prismen im Kristall trafen wurden sie dort gebündelt und nun in alle Richtungen versendet. Das ganze Tal wurde auf einmal hell erleuchtet. Es war ein Licht in der Finsternis. Alrik lief auf Amanda zu als er das sah. Er sah wie erschöpft sie war, doch strahlte er über das ganze Gesicht. „Kleines du bist großartig. Das ist das beste was ich die letzten Tage sah. Könntest du so etwas, vielleicht kleiner auch für den Taleingang machen? Natürlich erst wenn du ausgeruht bist.“ Amanda sah ihn an: „In der Hütte sind noch acht kleine, verteile sie strategisch im Tal.“ Als Alrik gerade nicken wollte sah er wie Amanda wie in Zeitlupe zusammen brach, er konnte sie gerade noch auffangen damit sie nicht auf den Boden aufschlug. Während Amanda erst mal aus schlief, lies Alrik die kleinen Kristalle mit ihren Halterungen so im Tal verteilen das die Sonnenstrahlen die aus dem großen gebündelt kamen, auf die kleinen trafen die dann wiederum die Strahlen bündelten und weiter verschickten. Und wenn das auch nur etwas war um die Tage zu erhellen, weil des Nachts keine Sonne schien, so erleuchtete dennoch das Licht das aus dem Kristall kam das Tal um ihn herum. Der Kristall hatte aber noch eine Eigenheit er lud sich auf, sobald die Sonne ihn traf, so das der Lichtstrahl der nun in den Himmel ging nicht mehr von Amandas Kraft gefüllt wurde, sondern nun selbstständig strahlen konnte. Somit war gewährleistet das es nie wieder ganz dunkel werden würde. Mal abgesehen davon, das dieses Licht wie ein Dorn im Fleisch des Finsteren war. Und weitere Flüchtlinge trafen ein, von immer weiter her kamen sie. Manche hatten so einen langen Weg hinter sich das sie wirklich Tage und sogar Wochen unterwegs gewesen waren. Obwohl es erst einige wenige Wochen her war, das Amanda und ihre Kameraden erwählt worden waren, so war es wohl schon zuvor in die Menschen gedrungen sich auf den Weg zu machen und so hatten sie bereits vor etlichen Wochen die Wanderung begonnen.

Als Amanda wieder wach wurde, saß Alrik neben ihr auf dem Bett und sang leise vor sich her. Amanda hörte das kleine Lied und sah ihn an: „Was ist das für ein Lied? Es scheint eine eigene Kraft in sich zu tragen.“ Als Alrik sah das sie wach war beugte er sich über sie und küsste sie leidenschaftlich, anschließend sah er sie an: “Das nannte man bei uns „das Lied des Lichts und der Natur“, das sangen unsere Kinder immer, wenn sie Belagerung spielten. Es ist nie vergessen worden, was der Finstere auf unserer Welt angerichtet hatte. Und mit diesem Lied feierten wir auch immer unsere Erneuerung.“ Er wollte gerade beginnen, Amanda zu streicheln als sie sich aus seinen Armen löste und sich aufsetzte. „Bring es mir bei. Mir scheint dieses Lied hat seine eigene Magie.“ Alrik sah sie an: „Öhm... hat das nicht ein wenig Zeit, also ich wollte jetzt eigentlich etwas anderes, etwas das du mir seit Tagen vor enthältst. Komm gib mir erst was ich will, dann bringe ich dir das Lied bei.“ Amanda sah ihn entrüstet an: „Sag mal kannst du eigentlich nur an eins denken?“ Sein Blick verfinsterte sich, diesen Blick hatte sie noch nie bei ihm gesehen, seine Augen wurden schmaler, und er griff nach ihr und zog sie wieder in seine Arme um sich dann über sie zu beugen als sie wieder lag. „Doch meine Liebe, allerdings ist erst mal alles erledigt und zum anderen kümmern sich Doron und Ilja ebenso um alles. Ich will dich jetzt und du solltest es mir geben. Dann können wir über weiteres reden.“ Amanda sah das sie ihm erst geben musste was er verlangte, eher würde er sich auf nichts anderes einlassen. Er war wild und stürmisch als er sich nun nahm was er von ihr wollte. Amanda hatte nun eine andere Seite von ihm gesehen. Erst jetzt wurde ihr bewusst, das er zweifelsohne auch eine dunkle Seite hatte. Und ihr wurde auf einmal klar, das er auch deswegen ausgewählt worden war, denn ohne sie könnte er nicht gegen den Finsteren bestehen. Als er sich nach einer Weile aus getobt hatte und sie recht zufrieden im Arm hielt, sah sie ihn an: „In welchem Teil der goldenen Stadt warst du?“ Er sah zu ihr, sie hatte ihren Kopf auf seiner Brust liegen und sah zu ihm auf. Dunkel und rauchig erklang seine Stimmer als er ihr antwortete: „Im dunklen Teil, ich dachte das wäre dir klar gewesen. Ich bin nicht wie Doron oder Ilja. Ich bin kein helles Licht. Und um den Finsteren klein zu kriegen muss man ebenso niederträchtig und verschlagen sein wie er.“ Sie merkte das er darüber nicht reden wollte, denn er begann abermals leise das Lied zu singen und sie nickte nur leicht und sang dann mit. Sicher es klappte nicht gleich von Anfang an, doch er wiederholte den Text immer wieder, bis sie ihn genau kannte. Doch als sie ihn nun wiederholte und immer wieder sang, hörte sie von draußen auf einmal Jubelgeschrei. So zogen die beiden sich an um nach zu sehen was los war. Und als sie vor die Hütte traten sahen sie das das Tal begonnen hatte sich zu erneuern, es grünte wieder an einigen Stellen. Amanda dachte kurz nach, dann nickte sie und begann das Lied noch mal zu singen und wurde dabei lauter und lauter. Und auf geheimnisvolle weise begannen erst einige wenige, doch dann immer mehr das Lied mit zu singen. Und je lauter der Gesang wurde, um so mehr begann das kleine Tal wieder zu blühen, Bäume trugen wieder Blätter und sogar Früchte. Und das Licht breitete sich aus. Alrik sah sich erstaunt um und nun wurde ihm klar, das dieses Lied nicht nur ein Festlied war, es enthielt tatsächlich Magie und das sogar kraftvolle Magie. Wie Amanda es gesagt hatte. Vom Aussichtsturm auf dem Gebirge schrie man auf einmal und Amanda als auch Alrik gingen nach schauen was los war. Als sie den Posten betraten staunten sie nicht schlecht. Denn die Neuankömmlinge hatten sich von dem Lied einfangen lassen und sangen es ebenso, auch die die ihnen noch folgten und das Lied hörten, so wurde es weiter und weiter getragen und egal wo man sang, wurde es hell. Nun konnte man genau den Weg verfolgen den die Flüchtlinge nahmen. Doch kein Dämon traute sich ihnen zu nähern, denn das Licht tat ihnen weh. Als die Flüchtlinge das begriffen wurde der Gesang immer lauter. Leise flüsterte Amanda: „Die Götter haben uns nicht vergessen.“ Alrik legte einen Arm um Amanda und zog sie zu sich heran. „Ich glaube das hat nichts mit den Göttern zu tun oder vielleicht doch, aber dann nur mit einer Halbgöttin, die bereit ist für ihr Volk alles zu tun. Die Menschen glauben an dich, Kleines und dieser Glaube ist es der dieses Wunder möglich macht.“

Und auf einer fernen Welt, tief verborgen in den Weiten des Universums, hielten sich die Herrin des Lichts und die Mutter Natur an den Händen und sangen das Lied ebenso und verliehen ihm so die Magie die es brauchte.

Alrik war ein Stratege und so teilte er nun sogar Leute ein, so dass das Lied nun Tag und Nacht gesungen wurde. Und die Dunkelheit wich langsam zurück. Und in seinem Versteck tobte der Finstere. Doch als sogar sein Sohn das Lied zu singen begann, den er in einem Kerker eingeschlossen hatte, beging er einen weiteren großen Fehler. In seiner Wut warf er ihn Hohn lachend hinaus. „Wenn es dir so gut gefällt, dann geh doch zu ihnen, mal sehen ob sie dich mit offenen Armen aufnehmen wenn sie sehen das du ein Dämon bist. Oder ob du dann nicht eher dein Leben verwirkt hast.“ Und der Sohn machte sich auf den Weg, er wusste nicht was ihn erwarten würde, doch war er froh erst mal frei zu sein.

Kapitel 7: Neues Leben


 

Der Finstere tobte, doch war er froh dieses Anhängsel von seinem Sohn los zu sein. Er ging davon aus das die Wachen am Taleingang sicherlich nicht lange fragen, sondern wenn sie sahen das sich ein Dämon näherte ihn gleich erledigen würden. Rian hingegen, so war der Name seines Sohnes schleppte sich langsam bis zum Tal, er ging immer wieder den Menschen aus dem Weg. Ihm war klar würden sie ihn sehen, hatte wirklich sein letztes Stündchen geschlagen. Sein Vater dieses Ungeheuer hatte ihm immer wieder gesagt das er eine Schwester gehabt hatte und das sie ihn erlösen hätte können, doch das sie wohl einem schrecklichen Unfall zum Opfer gefallen war. Rian konnte sich schon denken was für einen Unfall. Doch als er zum Tal unterwegs war, hörte er auch Gespräche und er hörte von einer weißen Magierin die eine Halbgöttin sein sollte und Hoffnung keimte in ihm auf. Immer im verborgenen bleibend schlich er sich so zum Tal, dort angekommen drückte er sich in eine dunkle Ecke und sah in das hell erleuchtete Tal hinein. Hier gab es Licht, hier gab es das Gute. Er spürte es, denn nicht nur Amanda war etwas besonderes sondern er auch, nur wusste er es nicht. Die Wachen schauten immer mal zu der Gestalt die sich im dunklen verbarg und Rian dachte jetzt oder nie und begann zu singen, erst leise doch dann immer lauter. Die Wachen waren verunsichert, da auch um ihn nun das Licht schimmerte, sahen sie das es ein Dämon war. Doch da er das Lied sang und es ihm nichts ausmachte im Licht zu sein, riefen sie Amanda und Alrik herbei, bevor sie einen Fehler machen würden. Als Amanda diesen Dämon der sich so untypisch verhielt sah, spürte sie das er nicht war was man ihnen zeigen wollte und trat vorsichtig auf ihn zu. Alrik dabei immer im Rücken, mit dem Schwert in der Hand um sofort einzugreifen, falls es eine Falle sein sollte. Sanft sprach sie den Dämon an und in ihrem Rücken hörte sie die Wachen miteinander reden: „Seit wann können diese Viecher denn reden? Und der hier konnte sogar singen, sehr komisch das ganze.“ Sie trat näher: „Wer bist du und wie ist dein Name?“ Mit leise knurrender Stimmer, die leider seinem Dämonenkörper nun mal inne war, kam leise von ihm: „Ich heisse Rian und ich bin der Sohn des Finsteren. Wenn ihr mich nun töten wollt nur zu, doch denkt daran ich kann euch auch nützlich sein. Doch wer bist du?“ Amanda trat weiter auf ihn zu und half ihm auf: „Ich habe nicht vor dich zu töten wenn es stimmt was du sagst. Und mich nennt man Amanda, wenn es so ist wie du sagst, dann sind wir Halbgeschwister.“ Sie sah Rian an und ihr Herz brach fast als sie sah was man ihm angetan hatte. Sie brachten ihn ins Lager und erst mal in einer Hütte unter, gaben ihm zu essen und zu trinken. Doch Amanda war nicht so gutgläubig das sie ihm sofort geglaubt hätte, so wurde er auch bewacht. Amanda befragte ihre Kugel, sie wollte ihren Bruder sehen. Und als die Kugel ihr zeigte das er in dieser bewachten Hütte saß, wusste sie, er sagte die Wahrheit. Doch zeigte die Kugel ihr noch etwas anderes. Sie sah wie Rian und sie Hand in Hand das Lied sangen doch er sah anders aus, er hatte den Dämonenkörper abgelegt und war ein sehr gut aussehender Mann. Nicht so kräftig wie Alrik oder Doron, doch auch er hatte schon seine Kämpfe ausgetragen. Als Amanda das sah weinte sie leise und Alrik zog sie in seine Arme. „Kleines wenn wir ihm helfen können so werden wir es tun.“ Amanda nickte, und die Kugel zeigte ihr wie sie ihm wieder zu seinem Körper verhelfen konnte, doch würde das bedeuten das der Plan sie bei dem Finsteren ein zu schmuggeln nicht mehr funktionieren würde. Auch Alrik sah was die Kugel ihr zeigte. Sie sah Alrik an: „Ich werde es tun, egal wir werden an den Finsteren schon heran kommen, ich bin mir sicher. Die Kugel hätte es mir nicht gezeigt wenn ich es nicht auch tun sollte.“ Alrik seufzte leise doch dann nickte er: „Also gut gib ihm seinen Körper zurück und ich hoffe du hast recht. Denn wenn nicht, opferst du eine ganze Welt nur um deinem Bruder zu helfen.“ Das war auch Amanda klar, doch sie hatte es im Gefühl, sie würden ihr Ziel erreichen. Von Alrik gefolgt betrat sie nun Rians Hütte und trat auf ihn zu. „Ich kann dir helfen deinen Körper zurück zu bekommen und diesen hier ab zulegen, das heißt er würde getauscht und unser Erzeuger wird sich in diesem Körper wieder finden. Ende mit seinen Mätressen, denn ich glaube kaum das ihn dann noch irgendeine anrühren möchte.“ Rian schüttelte den Kopf: „Das würde auch bedeuten das euer Plan nicht funktionieren wird. Und falls du dich nun fragst woher ich euren Plan kenne. Ich kannte ihn schon als ich dich das erste mal sah. Du würdest eventuell diese ganze Welt opfern nur um mir zu helfen. Doch das will ich nicht.“ Als Alrik diese Worte vernahm, sah er den geschundenen Dämonen an. „Ich sage dir nun etwas, ich habe gelernt auf die Eingebungen Amandas zu vertrauen. Und wenn sie sagt, das wird nicht geschehen, so glaube ich ihr das. Vertrau auf sie.“ So nickte Rian dann leicht: „In Ordnung, ihr habt dann einen Verbündeten mehr und vor allem ich weiß wo man unseren Erzeuger finden kann. Ich denke er hat einen großen Fehler gemacht, mich raus zu werfen.“ Amanda nickte und bat Rian sich auf einen Stuhl zu setzen, sie setzte sich ihm gegenüber und nahm nun seine klauen artigen Hände in ihre. Erst wollte er sie zurück ziehen doch dann überließ er sie ihr doch, dann begann Amanda einen Zauber aus zu sprechen. Sie wusste nicht ob es so richtig war, dennoch folgte sie ihrer Eingebung und wiederholte den Zauber immer und immer wieder. Und dann begann Rian zu leuchten. Amanda musste nur darauf achten das sie auch die Körper tauschte und nicht die Seelen, weil ansonsten würde sonst ihr Vater ihr gegenüber sitzen und Rian wäre wieder in dem Versteck ihres Vaters. Wenn auch im richtigen Körper und sie war noch nicht darauf vorbereitet auf ihren Vater zu treffen. Doch als das Licht um Rian schwand, saß ihr ein gut aussehender Mann gegenüber. Er war gut gebaut, muskulös doch nicht so sehr wie Doron und wie Alrik erst recht nicht. Er hatte ebenso wie sie schwarze Haare, die ihm sachte ins Gesicht fielen. Und sie erkannte ihn als den Vergewaltiger ihrer Mutter, im ersten Moment wollte sie ihn töten, doch dann wurde ihr klar, das war zwar der Körper, doch nicht der Mann der ihrer Mutter das angetan hatte.. Alrik war auf der Hut und stand mit dem Schwert in der Hand da, sollte der Mann auf dem Stuhl nun auch nur eine falsche Bewegung machen, wäre er sofort tot. Als Amanda seine Hände los ließ sah er sie sich an und er lachte. „ Ich bin wieder ich selber, ich weiß nicht wie ich dir danken soll, Schwester.“ Amanda sah ihn an: „Genetisch wäre ich wohl eher deine Tochter als deine Schwester, wenn auch im geistigen Sinne das mit den Geschwistern stimmt.“ Alrik und Rian sahen sie fragend an. Sie sah von einem zum anderen: „Es war dieser Körper der mich gezeugt hatte, wenn er auch im Besitz einer anderen Seele war.“ Nun verstanden die beiden und nickten. Rian sah sie sanft an: „Wirst du mir dennoch ins Gesicht sehen können? Denn ich kann mir denken wie du gezeugt worden bist.“ Amanda nickte. „Ja, sonst wärst du bereits tot. Doch nun müssen wir uns um anderes kümmern.“ Sie musste sich erst daran gewöhnen, das sie nun täglich in dieses Gesicht sehen würde. Doch sie half sich selber in dem sie sich immer wieder sagte, das dies ihr Bruder und nicht ihr Vater sei.

Es vergingen einige Tage, weitere Flüchtlinge trafen ein, der Strom brach immer noch nicht ab. Doch eines Morgens klopfte es an ihrer Türe, Alrik sprang aus dem Bett, um nach zu sehen was los war. Dort standen einige junge Frauen, die recht grün im Gesicht aussahen und baten darum das Amanda sie untersuchen sollte. Als Amanda das tat, lachte sie, die Frauen waren alle schwanger, deswegen war ihnen übel. Und es war wie ein Virus, jede gebärfähige Frau im Lager kam irgendwann zu ihr und sie stellte immer wieder das selbe fest. Es würden wieder Kinder geboren werden. Alrik sah Amanda immer wieder an und tastete ab und zu ihren Bauch ab. Amanda ahnte was diese Geste bedeuten sollte, sie sah ihn an: „Ich bin nicht schwanger.“ Er nickte: „Doch wieso nicht, ich meine ich tue mein bestes und mehr als das und du bist scheinbar die einzige Frau die nicht schwanger geworden ist. Ich war immer zeugungsfähig.“ Sie sah ihn an: „Kannst du es dir nicht selber denken? Stell dir vor ich wäre schwanger und müsste dann gegen meinen Vater antreten, würdest du mich gehen lassen? Wohl kaum oder? Abgesehen davon wusste ich nicht das du so wild auf Kinder bist. Nein ich sorge schon dafür das ich nicht schwanger werde. Wenn wir alles hinter uns haben, die Welt wieder in Ordnung ist, können wir über Kinder reden, doch bis dahin erst mal nicht.“ Alrik nickte, er wusste sie hatte recht und doch schmerzte es ihn das jeder hier Vater werden könnte nur er nicht. Aber er sah auch wie man die schwangeren Frauen behandelte, sie wurden umsorgt und gehütet, weil sie das kostbarste Gut trugen das diese Menschen hatten.

Die Angriffe hatten erst mal aufgehört, ihr Gegner musste sich wohl erst mal damit abfinden seinen schönen Körper verloren zu haben. Sie ahnten ja nicht, das der Finstere zwar im ersten Moment getobt hatte als er sich in einem Dämonenkörper wieder fand, doch dauerte es auch nicht lange das er einen neuen Körper hatte. Doch waren die menschlichen Körper alle recht zerbrechlich, er hatte schon gewusst warum er den seines Sohnes haben wollte, der war wesentlich widerstandsfähiger gewesen. Mal abgesehen davon auch langlebiger. Doch irgendwann kam auch Amanda auf die Idee, wieder mal ihren Vater in der Kugel zu suchen und da sah sie was sie angerichtet hatte. Nämlich jetzt hatte sich ihr Erzeuger, einen Menschenkörper genommen und hatte bereits wieder mit Experimenten begonnen, diesen Körper widerstandsfähiger zu machen. So trat sie zu Alrik, Rian, Doron und Ilja und sagte ihnen das sie nicht länger warten könnten, das es nun an der Zeit wäre, den Finsteren endgültig zu erledigen. Und so würde nun der endgültige Kampf beginnen, denn wenn es ihm gelingen sollte, wäre es weit aus schwerer ihn zu töten. Am nächsten Morgen machte man sich bereit, man trat an den Taleingang und hinter den fünf, reihte sich das Heer des Lichts ein. Ausgebildet von Doron und Ilja, angeführt von Alrik und an der Spitze gingen Amanda und Rian sich an den Händen haltend und das Lied singend. Und so ging man los.